kinder.musical.theater Storchen     Magnihalden 7     9000 St. Gallen

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Pippi erkundigt ihr neues Haus


«Es ist gross. Es ist cool»: Meret Magdalena Berger, die Hauptdarstellerin

des «Pippi Langstrumpf»-Musicals, im neuen Storchen. (Ralph Ribi)

 

14.10.2016 / St. Gallen

 

Das Kindermusical-Theater Storchen nimmt Form an. Das ehemalige Kino im Stadtzentrum eröffnet am 4. November als Theater wieder. Als erste Produktion ist «Pippi Langstrumpf» zu sehen.

 

«Faul sein ist wunderschön», singt Pippi Langstrumpf. Das stärkste Mädchen der Welt liegt bäuchlings auf dem Bühnenboden, die orangen Zöpfe wippen im Scheinwerferlicht auf und ab. Pippi heisst in Wirklichkeit Meret Magdalena Berger. Die Neunjährige erkundet an diesem Morgen zum ersten Mal ihr neues Haus, das Kindermusical-Theater Storchen an der Magnihalden. Ab November sind hier regelmässig Musicals zu sehen, in erster Linie Klassiker für Kinder, von «Dschungelbuch» bis «Mary Poppins». Am 12. November startet der Spielplan mit «Pippi Langstrumpf».

 

Hinter dem Kindermusical-Theater steht ein dreiköpfiges Team: Bettina Kaegi ist für die Regie und Choreographie verantwortlich. Rico Bühler schreibt die Musik und kümmert sich um die Bühnentechnik. Kurt Wettstein ist für den übrigen Theaterbetrieb zuständig: Er sucht Sponsoren und Werbepartner, holt Bewilligungen ein und führt die Buchhaltung. Er hat auch das Wirtepatent gemacht, damit es im neuen Storchen auch zu essen und zu trinken gibt – und an diesem Morgen wirft er gerade zum ersten Mal die Popcorn-Maschine an. Pippi greift zu, wirft das Knabberzeug in die Luft und fängt es mit dem Mund.

 

Dinosaurier auf dem Buben-WC

Noch sieht das Kindertheater aber nicht wie ein solches aus. Die selbst gezimmerte Bühne ist nicht bemalt. Die Träger für die Scheinwerfer hängen nicht an der Decke, sondern liegen am Boden. Die Polstersessel sind voller Sägemehl, die Lautsprecher erst provisorisch verkabelt.

 

In den nächsten Tagen soll hier aber ein Theater entstehen, das Kinderaugen glänzen lässt. Bettina Kaegi zeigt Zeichnungen des Sponsors Migros Kulturprozent, die als Vorlage dienen: Im Foyer steht ein Mini-Zirkuszelt und ein Zug voller Märchenfiguren. Die Treppenstufen ins Untergeschoss leuchten in Regenbogenfarben, auf den Toiletten warten Dinosaurier auf die Buben, Elfen auf die Mädchen. Die Füsse des Plüschsofas stecken in Schuhen – bis ins Detail ist hier alles für Kinder gemacht.

 

Die Kleinen sollen im Storchen aber nicht nur Theater konsumieren, sondern auch selber Theater machen. Bettina Kaegi möchte in St. Gallen ein Kinder-Theaterensemble aufbauen und Schauspiel, Tanz und Gesang unterrichten. So, wie sie es in ihrer Tanzschule in Widnau schon seit bald 30 Jahren tut.

 

Keine Talentschmiede soll es sein, sondern eine Theaterschule für alle, denn Kaegi nimmt jedes Kind wichtig und ernst. «Wir erkennen in jedem einzelnen Kind das Potenzial und setzen es in Szene», sagt sie. Rico Bühler ergänzt: «Wir fordern relativ viel von den Kindern, aber wir fördern sie auch stark.» Die Kleinen werden so Teil von Grossproduktionen mit Dutzenden, manchmal gar Hunderten von Kindern. Kaegi und Bühler lassen sie auch Bühnenbilder malen und Kostüme gestalten, und selbst für Dreijährige finden sie noch die passende kleine Rolle.

 

Der Spielzeugladen wartet um die Ecke

Pippi studiert das Drehbuch und macht sich Notizen. Szene um Szene bespricht Kaegi das Pippi-Langstrumpf-Musical mit ihrer Hauptdarstellerin, um es auf die frisch gezimmerte Bühne zu bringen. Meret Magdalena Berger springt auf, singt die bekannte «Hey, Pippi Langstrumpf»-Melodie und tanzt ausgelassen auf dem (fiktiven) Hochseil. Sie wird nicht mehr lange alleine proben müssen. Bis zu 50 Kinder werden schliesslich mit ihr zusammen auftreten. Und was meint Pippi zu ihrem neuen Haus? «Es ist gross. Es ist cool», sagt sie und betont die gute, will heissen kinderfreundliche Lage: Gleich um die Ecke des Theaters wartet ein Burgerlokal, eine Kinderbibliothek und ein Spielzeugladen.

 

Quelle: St. Galler Tagblatt/Roger Berhalter